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Wahnsinn frisst Alltag.
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26.12.06

Tobias Kaufmann

Die fünfzehnte Babykolumne:
Passende Paprika

Die kleine Vorsitzende steht vor ihrem Schrank. Sie legt großen Wert darauf, dass sie ein großes Mädchen ist, das sich seine Sachen morgens selbst aussucht. Deshalb sagt sie, während sie in der Sockenschublade wühlt: »Papa, sag mal: Du bist ein tolles, großes Mädchen, weil du dir deine Klamotten schon selbst aussuchst.« Ich tue ihr den Gefallen. Eine rosa Unterhose, ein rosa Hemdchen und eine Jeans mit rosa Applikationen hat unsere Tochter bereits hervor gekramt. Jetzt hat sie auch rosa Socken entdeckt. Aber ein passender Pullover scheint einfach nicht zu finden. »Nimm doch den hier«, sage ich und strecke ihr einen blauen Strickpulli hin, der gut mit der Jeans harmoniert. »Nein, Papa, der passt doch nicht zu meinen Klamotten!«, erklärt Jael mitleidig. »Männer und Mode«, sagt ihr Blick. »Passen«, das heißt für die kleine Vorsitzende: Ton in Ton. »Ok, dann diesen hier?« Ich weise auf einen schwarzen Berlin-Pulli, den ich ihr an unserem letzten Tag in der Hauptstadt gekauft habe – und den sie zum Dank noch nie angezogen hat. Jetzt hat Jael aber genug von meinen Ideen: »Neeeein! Ich mache das selber!« Schließlich greift sie zu einem Strickjäckchen in altrosa.

Die kleine Vorsitzende liebt es rosa von oben bis unten, am besten jeden Tag. Wenn ich versuche, ihr die blauen Halbschuhe aufzuschwatzen, kontert sie: »Aber Papa, die passen doch nicht zu meinen Klamotten!« Zur Bekräftigung haut sie sich mit der flachen Hand vor die Stirn und ruft: »Das geht doch nicht.« Natürlich, wie konnte ich so dumm sein. Also wieder die weißen Sportschuhe mit den rosa Streifen.

Kürzlich hatte Jael einen Ausnahmetag. Ich konnte sie morgens zu etwas Rotem überreden: Rot-weiß gestreifte Unterwäsche, roter Pulli, roter Rock, rot-orange gestreifte Strumpfhose. Rot steht ihr gut. Außerdem leben wir jetzt in der Stadt des 1.FC Köln, und der hat bekanntlich diese Saison wieder rote Heimtrikots. So stiefelte unsere Tochter auf roten Schnürschuhen vergnügt in den Kindergarten zum wöchentlichen Frühstücksbuffet. Wie ich am Abend erfuhr, hatten die Erzieherinnen allerdings nicht aufgepasst. »Es gab rote und gelbe Paprika zum Frühstück«, erzählte mir Jael, um geradezu empört fortzufahren: »Die gelbe habe ich nicht gegessen. Die passt ja nicht zu meinen Klamotten!« Klar. Eigentlich wird es höchste Zeit, dass mal jemand rosa Gemüse züchtet.

»Babykolumnen« von Tobias Kaufmann:

  1. Bob der Bär
  2. Guten Morgen Deutschland
  3. Nagenakknakk dejööööh rkjnok
  4. Häusliche Gewalt
  5. Chrissodaum
  6. Toooor!
  7. Selba!
  8. Auf Tournee
  9. Mein fremdes Kind
  10. Enthüllungen über Folterpapa
  11. Köff, Köff!
  12. Papa allein zu Haus
  13. Mussa nicha weinen!
  14. Gott und die Beinchen
  15. Passende Paprika
  16. Hesus von Köln
  17. Staatsbesuch
  18. Alles für die Forschung
  19. Ein Pferd für die Königin

Ab hier nennen wir es »Kolumnen mit der Kleinen Vorsitzenden« von Tobias Kaufmann:

  1. Mama sieht nicht schön aus
  2. Mit der Einschulung beginnt der Ernst des Lebens. Fragt sich nur, für wen.

Solche Kolumnen sind auch in Tobias Kaufmanns Buch »Die kleine Chefin. Ein Trostbuch für versklavte Eltern«, wunderbar illustriert von Meike Juhl, erschienen – im Eichborn-Verlag, einfach beim Buchhändler Ihres Vertrauens oder im Internet bestellen, zum Beispiel bei amazon bestellen. Das Geschenk für werdende und junge Eltern!

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Tobias Kaufmann

1976, auf den Tag genau zwei Jahre bevor der 1.FC Köln durch ein 2:1 über die Düsseldorfer Fortuna Deutscher Pokalsieger wird, trennt sich Tobias in einem Leverkusener OP verfrüht vom verkalkten Mutterkuchen und brütet lieber noch eine Weile in einem dafür vorgesehen Kasten vor sich hin. Er [..]

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