Die kleine Vorsitzende kickt. Schusstechnik und Präzision - die Richtung überhaupt - mögen ausbaufähig sein, aber fest steht, dass meine Tochter mit nichtmal zwei Jahren Fußball spielt. Wenn ich es ihr vormache, reißt sie sogar die Ärmchen hoch und ruft: »Tooooor!« Dann freut sie sich über mein dämliches Grinsen.
Es muss etwas Chemisches in Körpern von Fußball spielenden Vätern geben, das auf kickenden Nachwuchs reagiert und Rührung auslöst. Jael hat das schnell durchschaut und tut mir den Gefallen, in unserem Garten stets zwei-, dreimal gegen den Ball zu treten und »Tooor« zu schreien, bevor sie sich noch spannenderen Beschäftigungen zuwendet: Etwa Wasser aus dem Planschbecken trinken oder Blumen abreißen.

Die kleine Vorsitzende
Foto von Tobias Kaufmann
Offenbar hat es etwas genützt, sie vor knapp einem Jahr für ein Foto in den Strampler des 1.FC Köln zu quetschen (Ich bitte, von Neidbekundungen abzusehen, aber das Bild erschien sogar im offiziellen FC-Magazin »Geißbockecho«) und sie während der Bundesliga-Schlusskonferenz auf meinen Schoß zu setzen. Denn auch passiv ist Jael auf Bälle konditioniert. Wenn wir auf Spaziergängen irgendwelchen kickenden Jungs begegnen, hebt die kleine Vorsitzende im Kinderwagen kurz den Kopf und sagt: »Mache Tor!« Fußball ist ihr so vertraut, dass sie während einer Zweitligaübertragung vergangene Saison verzückt auf den Fernsehschirm zeigte und »Mama!« rief. Im Bild war gerade der damalige Trainer von Rot-Weiß Oberhausen zu sehen, Jörn Andersen, ein blonder, langhaariger Norweger. Süße ist auch blond. Sie wurde wenig später von ihrem Posten in Oberhausen entbunden und Jael hat ihre Mama im großen Fußball nicht wieder entdeckt. Stattdessen guckt sie mir zu. Als wir neulich von einem Turnier nach Hause kamen, rief Jael plötzlich: »Papa, Bumm, Tooor!« Ich habe dafür nur zwei Erklärungen. Entweder, die kleine Vorsitzende ist wirklich von Papa und seinem Lieblingssport begeistert - oder sie weiß, dass er ihr dafür ein Eis gibt.
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