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Wahnsinn frisst Alltag.
Alltag frisst Wahnsinn.

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26.06.07

Michael Meyn

Leute, geht zuhause kacken!

Über bestimmte Dinge sollte man eigentlich lieber nicht sprechen, aber dies ist eine Sache, die mir schon lange auf der Seele brennt. In Amerika haben viele Menschen eine äußerst seltsame Angewohnheit, was ihren Stuhlgang betrifft; sie erledigen dies auf der Arbeit. Gleich zu Arbeitsbeginn scheint es schon die ersten im Darm zu drücken und sie verschwinden auf die Toilette. Mein Boss macht da den Anfang. Dann weiß ich: da gehe ich erstmal für ein Stündchen nicht mehr rein.

Unser Produktionsleiter leidet, glaube ich zumindest, unter chronischem Kackreiz. Wenn er es nicht vor dem Boss schafft, so geht er gleich nach ihm. Dann ein weiteres Mal kurz vor der Mittagspause, direkt nach der Mittagspause und fast immer 5 Minuten vor Arbeitsende. Runde 2 und 3 erledigt er manchmal auch in einem Durchgang; er nimmt dann das Mittagessen mit aufs Klo.

Ein Mitarbeiter setzt einmal pro Tag eine Bombe ab, die sogar hartgesottene Kakerlaken die Flucht antreten lässt. Doch selbst er flüsterte mir letztens hinter vorgehaltener Hand zu, unsere Designerin sollte mal einen Arzt aufsuchen, weil ihre Notdurft einen besorgniserregenden Duft verbreitet hätte.

Typisch für Amerika sind die Lüftungssysteme, die es in allen Badezimmern gibt. Sie bringen herzlich wenig. Dennoch sind sie da, und sie schalten sich automatisch ein, sobald man das Licht anmacht. Schlaue Kacker lassen das Licht angeschaltet. Es dient immerhin als Warnung, sobald man die Toilette betritt, und man bekommt die Chance geboten, noch rechtzeitig die Luft anzuhalten. Andere Menschen bewegen sich eher am Rande des Wahnsinns. Sie entfernen sich nach erreichtem Tagespensum vom Ort des stinkenden Geschehens und lassen die Tür weit geöffnet, mit ausgeschaltetem Licht!

Da fällt mir auch gleich widerstrebend ein Lieferant ein, der vor ca. 2 Wochen fragte, ob er unsere Toilette benutzen dürfte. Ich übertreibe keineswegs, wenn ich sage, dass ich den Geruch der Lieferung noch heute in der Nase habe.

Nun gibt es ja zum Glück diese Duft-Sprays. Sowas haben wir jetzt auch. Ich weiß nicht genau, welche Duftnote, aber alle benutzen es ganz brav, und so riecht es in der Firma fast immer penetrant süßlich, mit einem Hauch von Scheiße.

Erstaunt bin ich auch immer wieder darüber, wie lange meine Mitarbeiter auf dem Lokus sitzen. 20 Minuten sind da keine Seltenheit. In der Zeit könnte ich ein komplettes Auto beschriften und zweimal kacken gehen. Was machen die da so lange? Eine Bekannte von uns ist in der Beziehung besonders extrem. Sie nimmt sich für ihre Sitzungen immer etwas zu lesen mit. Hat sie keine Lektüre zur Hand, liest sie verzweifelt die Texte auf Dusch-Gels oder Tampon-Schachteln. Wenn sie zu Besuch kommt, lautet ihre Begrüßung oft: »Falls jemand aufs Klo muss, geht bitte jetzt, denn ich muss scheißen.« Kein Witz, so spricht sie und nicht nur unter Freunden. Nachdem sie ihr Geschäft erledigt hat, ist es für sie meistens schon Zeit zu gehen. Aber wir haben sie trotzdem gerne bei uns.

Übrigens, wer mehr als eine halbe Rolle Klopapier pro Session braucht, ist mir unheimlich. Das kann doch nur bedeuten, dass er jedesmal eine riesen Sauerei veranstaltet, oder nicht? Auf der Arbeit verbrauchen wir mehr Klopapier im Monat als die gesamten Einwohner von Lincoln, Nebraska. Ich persönlich komme locker mit einer Rolle drei Wochen aus. Mein Rippchen hingegen ... naja, lassen wir das.

Auf jeden Fall würde ich gerne eine Bürgerintiative gründen. Ich suche noch nach einem griffigen Slogan, sowas wie »Shit happens, but please let it happen at home!«, oder »In case you didn't know: your shit stinks!«, oder so. Wer Ideen hat, kann mir gerne mailen.

Diese Kolumne finden Sie auch in Michael Meyns 2007 erschienenem Buch »Vegas, Schnuckie!«.

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Michael Meyn

Geboren wurde er irgendwo in Oberhausen, und zwar am 11.11.1968. Berichten seiner Mutter zufolge begann Michael im zarten Alter von drei Jahren, die Tapeten seines Kinderzimmers mit Fäkalien zu beschmieren. Obwohl schwer beeindruckt von seiner kreativen Ader, war man sich damals noch nicht [..]

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