.

kolumnen.de

Wahnsinn frisst Alltag.
Alltag frisst Wahnsinn.

Zur Druckversion Druckversion

31.07.09

Bastian Kruse

Gargantula greift an!!

Stellen Sie sich folgende Situation vor:

Ich sitze vor dem Fernseher.

Auf meinem Schoß: Carolin.

(Raum für versaute Gedanken)

Spezies: Katze.

(Ach soooo...!)

Wir schauen uns leicht gelangweilt das Programm eines beliebigen Privatsenders an, sind jedoch trotzdem mit uns und der Welt vollkommen im Reinen, da wir unsere Raubsäuger- bzw. Allesfresser-Gehirne nicht anderweitig beschäftigen müssen. Einer von uns schnurrt zufrieden. Der andere streichelt den einen.

Weiße Bescheid.

Da wird der Fernseher auf einmal leiser. Das Licht schwindet aus dem Zimmer; eine unbekannte Macht scheint uns unserer Lebenswärme gar plötzlich zu berauben. Es wird bitterkalt. Und ungemütlich noch dazu. Irgendwer scheint einen tiefen Synthesizer-Ton aus dem Off einzuspielen. Carolin und ich halten beide den Atem an und –

da erscheint plötzlich – GARGANTULA!!!!!!

Ein etwa sechs Zentimeter großes Monster von Spinne betritt mit gewaltigen Schritten aus einem Gewirr von haarigen Beinen die Szenerie, stellt sich demonstrativ und unübersehbar vor den Fernsehschrank, schaut uns zwei verdutzte Wesen in Feierabendstimmung provozierend aus mehreren Augen an und scheint zu sagen: »Tretet mich tot, denn ich bin eine Spinne.«

Kruse in Panik, Katze im Halbschlaf.

Mein Hilferuf an das hochentwickelte und ach so gefährliche Raubtier mit den zentimeterlangen Reißzähnen, das träge auf meinem Schoß liegt, bewirkt nichts. Das Fernsehprogramm scheint interessanter zu sein als Gargantula, die immer noch provozierend regungslos und ohne jegliche Deckung vor dem Fernsehschrank weilt. Sie scheint genau zu wissen, dass ich nicht aufstehen kann, um sie zu ermorden, da ich fünf Kilo Katze auf dem Schoß habe.

Ich beginne, die Katze sanft, aber bestimmt von meinem Schoß zu schubsen. Ich unterdrücke die Schmerzensschreie, die solch eine Prozedur stets mit sich bringt, da sich das Tier mit Gewalt in mein Bein krallt...

Widerwillig lässt sich Carolin, die tödliche Allzweckwaffe im Kampf gegen das Böse, auf den Boden setzen.

»Mach sie alle!«, muntere ich sie auf.

Doch der Blick der tödlichen Allzweckwaffe im Kampf gegen das Böse ist müde. Sie möchte lieber fernsehen.

Währenddessen verschwindet Gargantula laut lachend wieder hinter dem Fernsehschrank.

Die Allzweckwaffe im Kampf gegen das Böse trottet der Inkarnation des Bösen hinterher und schaut pflichtbewusst kurz unter dem Schrank nach. Dann schaut sie zu mir. Der Blick scheint zu sagen: »Tja, da kann man wohl nix machen. Und dabei war ich soo schnell.«

Und:

»Wo wir nun schon in Bewegung sind... ich hätte da Hunger...«

Unwort des Tages: Dosenöffner.

Seitenanfang

Wie finden Sie die Kolumne »Gargantula greift an!!«?

wahnsinnig gut!
sehr gut
gut
nicht so gut
schlecht




Dieses Feld bitte nicht ausfüllen:

Ihr Kommentar wird an Bastian Kruse und den Herausgeber von kolumnen.de geschickt. Mit Nutzung dieses Formulars stimmen Sie einer etwaigen Veröffentlichung Ihres Kommentars auch auszugweise auf kolumnen.de oder in unserem Newsletter zu.

Kontakt

Schreiben Sie einen Leserbrief an Bastian Kruse.

Foto: Bastian Kruse

Bastian Kruse

Bastian Kruse hat am gleichen Tag Geburtstag wie Martin Walser, Steve McQueen, Fatty Arbuckle, die Kremers-Zwillinge und Magdi Aboul-Kheir. Geboren ist er im Gegensatz zu Vorigen im Jahre 1986 in den unendlich flachen Weiten Schleswig-Holsteins. Diese Weiten hat [..]

Zur vollständigen Vita und allen Kolumnen von Bastian Kruse

Geschenkt

*

Bei amazon.de hat Bastian Kruse einen Wunschzettel mit Geschenkideen hinterlegt.

Lassen Sie sich gerne inspirieren. Herzlichen Dank.

Seitenanfang

Jegliche Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung.
Alle Rechte vorbehalten.

© 2000-2010 kolumnen.de – ISSN 1618-3231

Herausgeber/Kontakt | Rechtevorbehalt | Haftungsausschluss

Was verpasst? Meist mehrmals in der Woche plaudert unser Newsletter natürlich über die neuesten Kolumnen, über exklusive Buchverlosungen, Lesungen, neue Illustrationen, Hörkolumnen, englischsprachige Übersetzungen und vieles mehr, was außerhalb des Newsletters kaum Beachtung finden kann. Jetzt anmelden!

Nutzen Sie facebook? Outen Sie sich als unser Fan!

Zehn Jahre kolumnen.de!

Eine wechselnde Auswahl zeitlos lesenswerter Kolumnen-Klassiker ... schon alle gelesen?

Christoph Wesemann: Unfallchirurgie auf Ukrainisch (2009) | Wilhelm Ruprecht Frieling: Das Depot des Teufels (2008) | Melanie Knapp: Akkiki und Wollolubu (2007) | Antoine Monot, Jr.: Die Geschichte (2006) | Gilbert Dietrich: Good Night, Dublin (2005) | Magdi Aboul-Kheir: Bindenbrusse mit Pfuffern und sterilisierter Gurke (2004) | Tobias Kaufmann: Die erste Babykolumne: Bob der Bär (2003) | Lutz Kinkel: Mathilde, mein Brötchengrab (2002) | Gilbert Dietrich: Kolumnistenrundumschlag: Von Menschen und Tieren, Stolz und allen Dingen überhaupt, nebst dem Wort des Jahres Zweitausendundeins. (2001) | Lutz Kinkel: Spätzlesatt (2000)