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»Noch'n Spruch« vorgetragen von Tom Wendt
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27.05.05

Tobias Kaufmann

Noch'n Spruch

Man kennt das ja: Man will mal wieder heiraten oder ein Kind taufen. Die bucklige Verwandtschaft ist eingeladen, ein Saal gemietet, Hochzeits- oder Taufkleid gekauft. Dann der Schock: Es ist noch kein Spruch ausgesucht! Und man hat keine Bibel im Haus!

Viele Menschen, die schon vor Jahren aus der Kirche herauskonfirmiert wurden, geraten in solchen Momenten in Panik. Wahrscheinlich ist die Bibel auch deshalb das meistverkaufte Buch. Kaum erstanden, wird der Wälzer hektisch durchgeblättert. »Genesis, Levitikus, äh, Korintherbriefe, Offenbarung des Johannes, Anhang... gibt's doch nicht... Schatz! Hier sind keine Trausprüche drin!«

Anruf beim Pfarrer. Der macht alles noch komplizierter. »Was soll er denn aussagen, ihr Spruch?« »Woher sollen wir denn das wissen, Sie sind doch der Pfarrer! Schön soll er sein, nicht so gewöhnlich, nicht zu fromm und nicht zu blutig, modern, aber doch heilig, und am besten kurz... Haben Sie sowas da?«

Gott sei dank hat das ein Ende. Unter www.taufspruch.de und www.trauspruch.de bietet die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) rechtzeitig zum Kirchentag in Hannover Bibelverse, Informationen zu Gottesdiensten, Buchtipps, Linktipps und häufige Fragen an. »Wir laden Brautleute und solche die es werden wollen ein, einfach mal zu stöbern, sich auf gute Gedanken bringen zu lassen und so den Hochzeitstag ganz gelassen vorzubereiten – zumindest in dieser Hinsicht«, wird Tom O. Brok, Leiter der »EKD-Internetarbeit«, in einer Pressemitteilung zitiert.

Die Sprüche sind unter Rubriken wie »Liebe«, »Vertrauen in die Zukunft« oder »Treue« zusammengefasst. Viele werden zudem kurz für den Hausgebrauch interpretiert. Zu Psalm 16, 11 – »Du tust mir kund den Weg zum Leben: Vor dir ist Freude die Fülle und Wonne zu deiner Rechten ewiglich« – fällt der EKD-Internetarbeit ein: »Wenn alle zusammen sind, um Gott um seinen Segen für das Brautpaar zu bitten, ist Gott nah und ›freut sich mit‹«.

»Kirche light!«, werden Skeptiker jetzt ausrufen. »Es fehlt nur noch der Tipp, einen Teller mehr einzudecken, damit Gott sich richtig mitfreuen kann!« Aber solche Kritik wäre ungerecht in Zeiten, in denen sich etwa drei Viertel der Berliner als religionslos bezeichnen – kirchlich heiraten wollen diese Leute trotzdem. Eine der »häufig gestellten Fragen« auf der Seite lautet: »Wir sind beide nicht in der Kirche. Können wir uns kirchlich trauen lassen?« »Nein, das ist nicht möglich«, lautet die kühle Antwort. Trotzdem sind die Kunden so zufrieden, daß das seit 12. April offene Forum beider Homepages trotz der monatlich angeblich 26.000 Anfragen bisher null Einträge verzeichnet. Die Seiten sollen dennoch weiter ausgebaut werden. Kein Wunder, denn auf www.trauspruch.de fehlt die wichtigste Rubrik: »Trausprüche für Paare, die sich im Internet kennengelernt haben.«

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1976, auf den Tag genau zwei Jahre bevor der 1.FC Köln durch ein 2:1 über die Düsseldorfer Fortuna Deutscher Pokalsieger wird, trennt sich Tobias in einem Leverkusener OP verfrüht vom verkalkten Mutterkuchen und brütet lieber noch eine Weile in einem dafür vorgesehen Kasten vor sich hin. Er [..]

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