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Wahnsinn frisst Alltag.
Alltag frisst Wahnsinn.

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17.02.02

Tobias Kaufmann

Darauf läuft's hinaus

Foto: alter Kühlschrank

Kühlschrank, Klappe!

Foto von Dominik Baur

Neulich, beim Wegschmeissen der typischen Kühlschrank-Leichen (Joghurt, Eier, Käsekuchen) lief der Fernseher. Technik-TV. Es gibt tatsächlich Neuigkeiten! Unsere Kühlschränke werden demnächst »Guten Morgen« sagen. Es gibt angeblich sogar Leute, die freuen sich darauf. Es sind die selben Leute, die nie darüber nachdenken, dass die Raumstationen, die wir begeistert ins All schiessen, uns später auf den Kopf fallen werden. Wenn diese neuen Kühlschränke erst sprechen können, wird ihnen das nicht reichen und sie werden beginnen, uns zu bevormunden. »Iss das nicht, das macht fett, und du hast schon wieder die Eier zu lange liegenlassen.« Wenn wir nicht spuren, spucken sie uns Dickmilch aus, die wir gar nicht gekauft haben und bestreichen den frischen Lachs mit Nuss-Nougat-Creme. Ein Alptraum.

Und wer soll überhaupt all diese sprechenden Maschinen verstehen, denen ausgerechnet Informatiker und Soziologen das Sprechen beigebracht haben? Wer verhindert kybernetische Kanzlerkandidaten und vollautomatische Freischärler, die sich nach jedem Selbstmordattentat von selbst wieder zusammensammeln? Was, wenn glänzende Replikanten plötzlich Menschen-Töchtern unmoralische Angebote machen? Für wen soll sowas gut sein? Wahrscheinlich sollen wir diese Risiken in Kauf nehmen, nur damit die globalisierte deutsche Industrie endlich die gesamte ehemalige Arbeiterklasse in Schrebergartenlauben und Fernsehzimmer hinein frühverrenten kann. Sabbert nicht zu früh, Hundt, Stihl, Henkel und wie ihr kapitalen Business-Class-Flieger alle heißt. Habt ihr gar keine Angst, dass die ersten Worte des selbst denkenden Fließbandroboters »Mutterschaftsurlaub« und »betriebliche Mitbestimmung« sein könnten? Und was sagen wir denen dann? Wenn wir so weit erst sind, ist es zu spät zum Abschalten, die Automaten haben uns abgesägt, wir langweilen uns im kollektiven Freizeitpark zu Tode und kein blutverschmierter Bruce Willis kann uns retten.

Sprechende Kühlschränke. So ein Quatsch. Wer mit einem sprechenden Kühlschrank aufwachen will, soll halt einen Niedersachsen heiraten!

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1976, auf den Tag genau zwei Jahre bevor der 1.FC Köln durch ein 2:1 über die Düsseldorfer Fortuna Deutscher Pokalsieger wird, trennt sich Tobias in einem Leverkusener OP verfrüht vom verkalkten Mutterkuchen und brütet lieber noch eine Weile in einem dafür vorgesehen Kasten vor sich hin. Er [..]

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