Goldene Himbeeren, Zitronen oder Schneebesen..., es gibt viele Anti-Auszeichnungen. Für modische Fehltritte, schlechte Drehbücher und Zähne, geschmacklose Bemerkungen oder auch einfach für Scheiße-von-Natur-aus-sein.
Ich möchte heute zwei meiner neuen Kollegen das goldene Scham-Los in der Kategorie »Bauklötzen-Staunen« verleihen.
Meine Vorliebe für Kettenrauchen sprach sich schnell in der neuen Agentur rum, meine Abneigung gegen aufgedrängte Gespräche leider bis heute nicht. Unter dem Vorwand einen Locher, Tacker oder Dildo zu suchen, kam Christiane in mein Büro. Und da sie ja schon mal da sei, könne sie ja auch mit mir eine rauchen. (Klar, und wo du schon mal da bist, kann ich dir ja auch kurz den Schädel spalten. Toll, was man alles so erledigen kann, wenn man schon mal da ist.) Ob ich nicht eine für sie hätte. Natürlich, was gibt man nicht alles in den ersten Tagen und Wochen am neuen Arbeitsplatz, um erst mal als nette Neue betrachtet zu werden, aufführen wie ein Arschloch kann man sich ja nach den ersten beruflichen Erfolgen – könnte man zumindest.
Da saßen wir und rauchten, zwei Frauen sie sich nicht kennen und von denen mindestens eine die andere auch nicht kennen lernen wollte. Das übliche Blablalala woherwiesowarum, dann kam Stefan hinzu, weil Stefan, so merkte ich später, immer und überall hinzu kommt.
Stefan ist das personifizierte nie passende Puzzlestück, aber das stört Stefan nicht.
Stefan rauchte auch (Ja sicher, nimm nur, kleinen Scheitel gefällig?!) und die Luft wurde dünner. Eine erneute Runde Wischiwaschi begann, bis das Gespräch bei körperlichen Abnormitäten landete – und blieb. Meine Frage, woher Christiane die große Narbe auf ihrem linken Knie habe, wurde mit einer Antwort quittiert, die keiner in so einer Situation (ich erinnere, zwei Frauen, die sich nicht kennen und Stefan) erwartete hätte.
Ehrlich, welche Antworten erwartete man: vielleicht eine nette Sturzgeschichte aus Kindertagen bei denen alle Zuhörenden an den schlimmen Stellen immer die Luft durch die Schneidezähne einziehen und »Au« sagen. Möglicherweise auch noch einen Motorradunfall bei dem der Freund ums Leben kam und wenn's hoch kommt, eine Kriegsverletzung beim Auslandeinsatz, aber dass die Narbe beim Ficken mit dem Skilehrer im letzten Urlaub entstand, na ja, das schreibt man nicht gerade in einen Kettenbrief.
Was solle sie sagen, die Piste war vereist, der Kerl aber ein Mordsstecher, mit einer Vorliebe nicht nur für Gletscherspalten. Als er sie von hinten nahm und rhythmisch über den Abhang schob, da hätte sie sich halt die Kniescheibe aufgeschlagen. Ach ja, verstehe, natürlich, das passiert den besten unter uns.
Stefan wollte in nichts nachstehen (wohl sein Lebensproblem) und erweiterte das Gespräch zu einer Erfahrungsaustauschgruppensitzung mit dem Thema »Die schönsten Verletzungen beim Pimpern«. Er, betonte er, sei ja jetzt beschnitten.
Und ich, betone ich, peinlich berührt.
Nein, er sei kein Jude, Moslem oder sonst ein Gläubiger, ihm sei nur letztens das Vorhautbändchen beim Verkehr gerissen (an meinen Geduldsfaden dachte in diesem Moment leider niemand), ja, und das mit dem ganzen Blut war eine ganz schöne Sauerei, die ganzen Taschentücher, die er sich um den Pimmel gelegt hätte, wären sofort durchgesuppt. Sicher, die Taschentücher halten auch echt nichts mehr aus.
Aber jetzt sei sowieso alles viel hygienischer und länger könne er jetzt auch. (Schön, dass es Männer gibt, die selbst bei der Onanie auf andere Rücksicht nehmen.)
Der Arzt, zu dem er damals mit blutendem Schoß gefahren sei, wäre auch ein wenig verwundert gewesen, schließlich bedarf es massiver (manueller) Abscherkräfte, bis das kleine Fädchen reißen würde. Wie das denn passiert sei?
Ich war nach Christianes Geschichte jetzt auf alles vorbereitet: Sex auf Vulkanen, Tretboten oder Wochenmärkten, aber nein so absurd sollte es doch nicht werden. Er hatte seine Freundin einfach nur in den Arsch gefickt, und das sei es ja bekanntlich ein wenig enger als normal (Knick-Knack-Verstehst-de...?). Und im Eifer des Gefechts, hätte er das Nadelöhr verfehlt und sei umgeknickt. So war das damals.
Noch jemand Kaffe? Milch, Zucker?
Bereitwillig, wie Stefan wohl vor Jahren seinen Verstand zur Disposition gestellt hatte, bot ich meine letzten Zigaretten an, auch ohne Scheitel, und bastelte den beiden auf dem Heimweg einen Vier-Farb-Kartoffeldruck-Orden am Bande. Ob Sie bei der Preisverleihung Ihren Eltern gedankt haben, weiß ich nicht. Ich habe Ihnen die Auszeichnung anonym zugesandt, und gekündigt.
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