.

kolumnen.de

Wahnsinn frisst Alltag.
Alltag frisst Wahnsinn.

Zur Druckversion Druckversion

10.06.08

Guido Heyn

Schlaraffenland, dank FDP

Liebe Wählerinnen und Wähler, ich bitte Sie eindringlich bei der nächsten Wahl die FDP zu wählen! Hätte man mir vor kurzem gesagt, dass ich einmal solch einen Satz schreiben, sagen oder auch nur denken würde – ohne gefesselt und geknebelt in einer geschlossenen Anstalt zu sitzen – dann hätte ich wohl schallend gelacht. Aber heute sehe ich das anders. Warum, werden Sie sich jetzt sicherlich irritiert fragen, und ich werde es Ihnen natürlich gern erklären.

Es war mal wieder soweit, die Parteien trafen sich zu ihren Kindergeburtstagsveranstaltungen, feierten sich selbst, ihre Erfolge und auch die Misserfolge wurden wie Siege begangen und es wurde überlegt, wie neue Schlachten gewonnen werden könnten. Die CSU machte für mich den Anfang mit den ersten nennenswerten Wahlversprechen, sprich Steuergeschenken an die Bürger, so sie denn gewählt werden würden. Die SPD hatte dies bei ihrem Parteitag leider total verpennt und grämt sich deswegen wohl heute noch. Andererseits, wie heißt es doch so schön: Je schlechter die Umfragewerte, desto höher die Wahlversprechen der Parteien. Umkehrschluss: Die SPD braucht solche Wahlversprechen gar nicht, da sie dermaßen hoch in der Wähler-Gunst steht. Hm, eventuell sollten die SPD-Politiker doch mal wieder Zeitung lesen.

Aber zurück zu den Parteien, die wissen, wie man sich bei Parteitagen zu verhalten hat. So gut die Versprechen der CSU auch klangen, sie wurden dann doch von denen der FDP locker in den Schatten gestellt: ein total simples Steuersystem mit enormen Entlastungen für die Bürger. Man konnte das Mehr auf dem Konto förmlich schon riechen. Ganz ehrlich, ich hab keine Ahnung, wie die FDP das finanzieren will, aber das interessiert mich ja auch gar nicht, Hauptsache, sie setzen es um. Und das, was mich früher immer an der FDP störte – dass sie in der Vergangenheit mit jedem koalierte, der gerade mächtig genug war – kann mich davon inzwischen auch nicht mehr abbringen. Wie nennt man doch Leute, die es mit jedem treiben? Fällt mir gerade nicht ein, aber ist ja auch egal, außerdem macht das ja heutzutage jede Partei. Da werden dann auch schon mal Wahlversprechen gebrochen. Ja, bösartige Menschen würden dies wohl als Lüge auslegen, aber wollen wir mal nicht so kleinlich sein. Die Parteien wissen besser als wir, was gut für uns ist und denken wirklich nur an unser Wohl. Deshalb will ich jetzt endlich doch auch lieber positiv denken und unterstütze die FDP nach Leibeskräften. Nicht zuletzt auch ihren überaus charismatischen Parteichef, Guido Westerwelle, zumal wir den selben Vornamen haben, sowas verbindet ja doch auch irgendwie.

Also, liebe Wählerinnen und Wähler, jetzt wissen Sie, warum ich so denke und ich kann sie nur nochmal dringend bitten: Unterstützen und wählen Sie die FDP, es wird sich für Sie lohnen. Obwohl, ich überlege gerade. Falls die FDP dann doch wieder keinen Wahlerfolg haben sollte, also keine 18 oder acht oder wie wenig Prozent auch immer erreicht, wie sehen dann wohl ihre zukünftigen Wahlversprechen aus? Das könnte ja noch lohnenswerter sein. Eventuell ein Reihenhaus für jeden, mit Garten, Swimmingpool und PKW, inklusive Chauffeur? Oder eine Jobgarantie auf Lebenszeit, mit vollem Gehalt bei halber Arbeitszeit?

Vielleicht gibt es ja auch Benzin und Milch dann kostenlos, ohne Begrenzung.

Oder eine Garantie, dass Deutschland Fußball-Weltmeister wird?

Seitenanfang

Wie finden Sie die Kolumne »Schlaraffenland, dank FDP«?

wahnsinnig gut!
sehr gut
gut
nicht so gut
schlecht




Dieses Feld bitte nicht ausfüllen:

Ihr Kommentar wird an Guido Heyn und den Herausgeber von kolumnen.de geschickt. Mit Nutzung dieses Formulars stimmen Sie einer etwaigen Veröffentlichung Ihres Kommentars auch auszugweise auf kolumnen.de oder in unserem Newsletter zu.

Kontakt

Schreiben Sie einen Leserbrief an Guido Heyn.

Foto: Guido Heyn

Guido Heyn

Geboren? Ja. Und zwar in Berlin, damals noch im fernöstlichen Teil. Ein 69er ist er. Er hat damals aber nur gegen dreckige Windeln demonstriert.

Nach zehn Jahren der Drillroutine der Schule und des erfolglosen Versuchs die Mädchen zu verstehen, absolvierte er dann eine Ausbildung zum [..]

Zur vollständigen Vita und allen Kolumnen von Guido Heyn

Geschenkt

*

Bei amazon.de hat Guido Heyn einen Wunschzettel mit Geschenkideen hinterlegt.

Lassen Sie sich gerne inspirieren. Herzlichen Dank.

Seitenanfang

Jegliche Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung.
Alle Rechte vorbehalten.

© 2000-2010 kolumnen.de – ISSN 1618-3231

Herausgeber/Kontakt | Rechtevorbehalt | Haftungsausschluss

Was verpasst? Meist mehrmals in der Woche plaudert unser Newsletter natürlich über die neuesten Kolumnen, über exklusive Buchverlosungen, Lesungen, neue Illustrationen, Hörkolumnen, englischsprachige Übersetzungen und vieles mehr, was außerhalb des Newsletters kaum Beachtung finden kann. Jetzt anmelden!

Nutzen Sie facebook? Outen Sie sich als unser Fan!

Zehn Jahre kolumnen.de!

Eine wechselnde Auswahl zeitlos lesenswerter Kolumnen-Klassiker ... schon alle gelesen?

Magdi Aboul-Kheir: Von wegen Bonbon aus Wurst: Helge Schneider kann nicht überall sein (2009) | Michael Meyn: Halloween (2008) | Melanie Knapp: Mit R2D2 im Neujahrskonzert der Münchner Philharmonie (2007) | Magdi Aboul-Kheir: Peter Sloterdijk vs. Getränkehändler Pasquale. Chronik eines gescheiterten Texts (2006) | Tobias Kaufmann: Günther Jauch ist noch viel dünner als Sie denken (2005) | Nicole Franz: Um Himmels Willen. Eine Weihnachtsgeschichte (2004) | Till Frommann: Gottes Ford in deinen Ohren (2003) | Magdi Aboul-Kheir: Maxima am Morgen oder Männer in Seenot (2002) | Gilbert Dietrich: Da darf man einfach nicht so yimperlich sein. (2001) | Gerlinde Pölsler: Ein Tag, der sicher auch für was war (2000)