Diese Kolumne lässt sich auch hören!
»Habemus Popanz« vorgetragen von Tom Wendt
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Ich könnte täglich kleine Kackebrocken kotzen, wenn ich, was sich allerdings mit etwas gutem Willen recht gut vermeiden lässt, einmal in oder auf die Bild-Zeitung schaue. (Notiz: lange geplantes Lob des Bildblogs endlich mal machen, nicht vergessen!)
Aber heute sehe ich auf dem Titel der Bild wirklich die Überschrift des Jahres.

Hallelujah
Titelseite der Bild-Zeitung vom 20. April
»Wir sind Papst!«. So heißt es dort. Genial.
Komme mir sehr dumm vor mit dem »Deutschland ist Weltmeister«, das mir nach der Wahl des neuen Papstes durch den Kopf ging.
Wir sind das Volk.
Wir sind Helden.
Na, das ist es doch.
Dass der Papst dabei doch arg aussieht wie der »Imperator« aus der »Krieg der Sterne«-Saga, ist das Zufall? Aber wären wir nicht sowieso lieber Papst Schnappi I. geworden? War es nicht ein Zeichen, dass just während der Verleihung des Echos an das kleine Telefonliedmädchen der Bildschirm sich verdunkelte und eine Stimme – oder war es eine Laufschrift? – die Nachricht vom Tode Johannes Pauls II. verkündete? Wohl kaum. Gibt es doch wenig, was wir weniger dringend brauchen als einen Papst. Außer dem Lied vom herumschnappenden Krokodil. Oder der markerschütternden Lautstärke von Werbeblöcken im Fernsehen. Und im Ernst brauchen wir auch Kriege, Hunger oder Krankheit nicht. Also gut, es gibt jede Menge Dinge, die überflüssiger sind als ein Papst. Wobei nichtsdestotrotz nur am Rande eine Rolle spielt, wer wen spielt auf der Bühne des Vatikans.
Aber natürlich sind all diese Gedanken undankbare Gedanken, es sind undenkbare Gedanken. Also will ich sie nicht. Und ich kann es mir aussuchen. Immerhin sind wir Papst.
Oder meinte die Bild-Redaktion mit dem »wir« nur sich selbst? Huch? Nein, nein, gottlob, nein.
Trotzdem. Ob die Bild das »Wir sind Papst« auch wirklich mit dem schönen Unterton, den ich da gerne reinlese, geschrieben hat, kann ich nicht wissen. Womöglich meint die das beschworene Wir-Gefühl bierernst, und will uns Eingeborenen im Lande der Verzweiflung einen Halm reichen? Oder mokiert sich die Bild-Zeitung hier doch subtil über die schon wieder ganz pokalsiegbesoffene Menge? Die ganz glaubenstrunkenen Massen? Die großdeutschmeisterlichen Gottesdiener am, immerhin, Geburtstag des »Führers«? Oh Gott, oh Gott.
Ich kann milde, weise und gütig mit dem Kopf nicken, während ich die Antwort niederschreibe: Jawohl. So sei es.
Wie könnte ich mich auch irren – wir sind schließlich Papst!
Aus dem Duden: »Popanz, der; -es, -e (slaw.) ([vermummte] Schreckgestalt; ugs. für willenloser Mensch)«
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