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Wahnsinn frisst Alltag.
Alltag frisst Wahnsinn.

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18.11.07

Till Frommann

Barfuß oder Lackschuh? Jacke wie Hose.

Selbst Computerstimmen haben Entscheidungsschwierigkeiten. Die Regionalbahn schleicht in den Regionalbahnhof ein: »Ausstieg in Fahrtrichtung links«, sagt der virtuelle Herr über die Lautsprecher, und ohne Pause ergänzt er: »Ausstieg in Fahrtrichtung rechts«.

Ja, was denn nun?

Ich liege im Bett. Es ist Alltag. Ich kann mich nicht entscheiden: Aufstehen oder sich noch mal umdrehen, zehn Minuten dösen und dann hetzen müssen, um dann verschwitzt und außer Puste in der Regionalbahn mit Entscheidungsschwierigkeiten zu sitzen? Ich drehe mich, natürlich, um.

Im Regionalbahnhof meines Zehn-Minuten-noch-einmal-Umdrehen-Traumes geht es ruhig zu. Keine Menschen, nirgendwo. Keine streikenden GDL-Mitglieder. Keine Geräusche, denn durch Geräusche würde ich aufwachen, und das möchte ich nicht. Denn ich habe mich zum Weiterdösen entschieden. Wenigstens noch ein paar Minuten bitte dem Alltag entfliehen, bittebittebitte. Vielen Dank.

Und dann komme ich selbst in meinem Traum vor. Endlich. Ich finde es immer schön, wenn ich irgendwo vorkomme. Denn ich bin egozentrisch und wäre gerne selbstverliebter – aber dafür müsste ich weniger Selbstzweifel haben. Ich stehe mit meinem linken Bein auf der linken Schiene, und mit dem rechten Bein stehe ich auf der rechten Schiene. Das ist ein wenig anstrengend, weil ich meinen Körper dabei unanagenehm spreizen muss, und es erinnert mich an irgend eine Sportübung, die ich bisher nie in meinem Leben gemacht habe. Yoga vielleicht?

Ich schleiche in den Regionalbahnhof ein, die Beine auseinandergespreizt, und weshalb ich rollen kann, weiß ich auch nicht, aber, hey, es ist doch nur ein Traum. Nur ein Traum. Jetzt ist Zeit für meine Durchsage: »Bleiben Sie liegen!«, spreche ich in einer blechernen, lautsprecherischen Tonlage, und dann ergänze ich ohne Pause: »Stehen Sie auf!«.

Ich kann mich nur schwer entscheiden, aufzustehen, aber dann klingelt mein Radiowecker noch einmal und erleichtert mir die Entscheidung.

Bleibe ich liegen? Stehe ich auf? Und warum geht eigentlich nicht beides?

Ich schaue verschlafen auf die Uhr, und die Panik reißt mich in die Realität: Jetzt muss ich mich abhetzen, um die Regionalbahn verschwitzt und abgehetzt zu erreichen.

Willkommen im Alltag. Bitte bleiben Sie liegen. Bitte stehen Sie auf. Ausstieg in Fahrtrichtung links oder rechts.

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Till Frommann

Geboren 1978 in Wolfenbüttel und fragt sich seitdem, was das alles soll. Also: Was soll das alles? Studierte ein paar Jahre zu lang Philosophie in Braunschweig, aber auch das gab keine zufriedenstellenden Antworten.

Jetzt wohnt er in Mainz, und auch dort wusste er nicht immer ganz genau, [..]

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