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»Elke Heidenreich« vorgetragen von Tom Wendt
Hörkolumne als MP3-Datei* (Bitte beachten Sie auch unseren Rechtevorbehalt).

29.08.05

Beni Frenkel

Elke Heidenreich

Ich mag Frauen. Sie sind so sinnlich, verführerisch, bezaubernd, geheimnisvoll. Die alte Putzfrau in unserer Studenten-WG grüße ich morgens immer mit einem Kusshändchen, die verschminkte Kassiererin im Dorfladen verwickle ich in ein Schwätzchen, und die langweilige Professorin darf manchmal sogar in meinen Träumen vorbeihuschen. Es gibt aber auch Frauen, die ich ... hm ... gar nicht toll finde. Elke Heidenreich zum Beispiel. Elke Heidenreich ist eine dieser Personen, die immer dann kommen, wenn man es etwas leise haben will. Du sitzt zum Beispiel in der Straßenbahn und guckst aus dem Fenster. Schöne Wälder, saftige Wiesen; herrlich. Plötzlich kommt so eine Frau, setzt sich neben dir und brüllt in ihr Handy, welches Buch sie gerade liest, welchen Film, welchen Wein, welche Schuhe, welchen Rock usw. alle anderen Frauen der Welt unbedingt auch kaufen müssen.

Die Elke aber nervt nicht nur ein Zugabteil, sondern eine Stunde lang die Fernsehzuschauer. Und während Marcel Reich-Ranicki wenigstens kompetent und erotisch die Bücherwelt vorstellt, schreit die Heidenreich »Lesen!« in die Kameras und verhurt die Bücher in der »Brigitte«. Dort erscheint nämlich alle 14 Tage ein Buch für zehn Euro. Nicht irgendein Buch, sondern ein Buch, das Elke Heidenreich erfolgreich zu Ende gelesen hat. Band 1 ist zum Beispiel »Der Besuch des Leibarztes« von Per Olov Enquist. Dass es sich bei diesem Buch um gute Ware handelt, dafür bürgt auf der ersten Seite der Satz »Brigitte-Edition, erlesen von Elke Heidenreich«. Und damit es die Brigitte-Leserin auch wirklich kapiert, strahlt ihr auf dem hinteren Buchdeckel ein Foto von der Elke entgegen. Bei den Engländern ist es die Königin, die bei allen Produkten ihren Segen gibt (approved by ...), bei uns die Schiffssirene Elke.

Natürlich, »die Sendung ›Lesen!‹ bringt vielen lesemüden Zuschauern das Faszinosum Buch wieder nahe«. Selbstverständlich laufen um diese Zeit noch dümmere Fernsehprogramme. Niemand bestreitet das. Und doch. Warum muss gerade eine Elke über Bücher reden? Hat sie selber schon einmal eines geschrieben? Ja. Leider. Schon mehrere. Sie ist nämlich auch Kolumnistin (sic!). In der Brigitte (wieder einmal) hat sie schon über 100'000 Kolumnen geschrieben: Wie die Männer unmöglich wären, wie wir Frauen über sie lachen müssen, wie wir sie trotzdem lieb haben.

Ihr Schreibstil ist fad, die Witze sind stinklos und die Pointen ... gähn ... voraussehbar. Aber zum Glück sind 52% der Menschheit Frauen. Und hier hat Elke einmal richtig getroffen: »Frauen lesen mehr als Männer«. Damit diese nicht nur ihr Gewicht von der Waage ablesen, springen »Brigitte« und Elke ein. 26-mal im Jahr.

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Beni Frenkel

Jahrgang 1977 und, wie man aus den Texten wahrscheinlich sieht: ein Schweizer.

Ich bin Lehrer an einer Primarschule. Dort unterrichte ich unter anderem den Unterschied zwischen »war« und »wahr«. Eine höchste philosophische Frage. Wahr ist, dass ich vom Schreiben [..]

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