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27.11.04

Beni Frenkel

Ruth Metzler

Wir Schweizer hatten mal eine Frau in der obersten Exekutive. Sie hieß Ruth Metzler und war bei ihrer Wahl zum Bundesrat 1999 erst 35 Jahre alt war. Sie war attraktiv und gewann fast jedes Jahr das traditionelle Politiker-Ski-Rennen in Davos. Von dort stammt auch ein schönes Bild. Vielleicht bin ich nicht ganz normal. Aber ich hab das Foto ausgedruckt und neben dem Computer aufgehängt. Nicht mit Rahmen und so. Einfach neben dem Computer. Zurück zu Ruth Metzler: sie ist eine intelligente Frau, eine scharfsinnige Frau, eine (wie gesagt) sinnliche Frau und leider auch eine Quotenfrau. Vor einem Jahr wurde sie wieder abgewählt. An ihrer Stelle kam ein 60-jähriger Mann, der nicht so toll aussieht wie Ruth Metzler. Sie aber musste zurück zu ihrem Mann. Was geht wohl durch den Kopf einer so schönen Frau? Nun, ich verstehe nicht viel von Frauen. Aber ich denke, wenn Frauen so eine Schlappe einfahren, fressen sie sich 10kg zu und gehen auf ausgedehnte Shoppingtouren. Ruth Metzler aber unterscheidet sich auch in diesem Punkt von Normalas. Nach ihrer Abwahl schrieb sie zuerst einmal ein Buch: »Grissini & Alpenbitter: Meine Jahre als Bundesrätin«. Und vor wenigen Monaten kam sie aus New York zurück, wo sie den Marathon gelaufen war ... !

Nach einem Jahr darf man es leise sagen: Ruth Metzler war nicht unbedingt eine Politikerinbombe. Na, sie war halt eine ehrliche Frau, die Gutes in der Welt und in der Schweiz tun wollte. Sie konnte gut skifahren und sah wirklich toll aus. Die Schweizer Frauen verlieren mit ihr sicher nicht eine Angela Merkel oder Hillary Clinton, aber eine Frau, die .. äh ... gut skifahren konnte und immer gutgekleidet und gutgelaunt im Parlament ihre Reden hielt.

Ja, das war Ruth Metzler. Ein Jahr ist es nun schon her, dass sie nicht mehr Bundesrätin ist. Ihr Platz wurde von jemand anderem eingenommen. Nichts erinnert mehr an sie. Kein »Ruth-Metzler-Sitzungssaal« und auch kein »Ruth-Metzler-Schminkraum«. Die Zeit kann manchmal verdammt ungerecht sein. Heute bist du Top of Switzerland und morgen kennt dich keine Sau mehr.

Die beiden Wörter »verdammt« und »Sau« waren jetzt vielleicht nicht nötig gewesen, aber es ist schon eine verdammte Schweinerei, dass Ruth Metzler nicht mehr Bundesrätin ist.

Mit ihrem ungewollten Rücktritt wurde die Schweiz wieder 20 Jahre älter. Keine junge Frau, nur noch alte Männer. Ich selbst beobachte dies an mir. So höre ich in letzter Zeit nur noch »Radio DRS1«, das Schweizer Radio, das morgens Glückwünsche an alle über 95-Jährigen vorliest, die an diesem Tag Geburtstag haben. Der Moderator preist den Jubilar, die Jubilarin und verrät uns das Geheimnis, dass das Geburtstagskind immer noch fleißig Kreuzworträtsel löst und sich über Enkelbesuch sehr freut. Dann kommt der Musikwunsch, meistens ein altes Schweizer Heimatlied, und dann kommen die Verkehrsnachrichten. Gestern aber bin ich fast vom Stuhl gefallen: da wurde doch tatsächlich der »Bundesrätin Ruth Metzler-Arnold Marsch« gewünscht! Gespielt vom Rundfunkblasorchester Leipzig!

Ich, wieder auf dem Stuhl, falle nochmals vom Stuhl. Ein Lied für Ruth Metzler!

Sofort rufe ich beim Radio DRS1 an und gebe mich als 100-Jähriger aus. Ich will den Song »Bundesrätin Ruth-Metzler Arnold Marsch« noch einmal hören. Aber anscheinend bin ich nicht der erste, der angerufen hat. Dutzende »Hundertjährige« sollen den Moderator bestürmt haben. Natürlich wird der Marsch nicht nochmals gespielt. Das darf man nicht in der Schweiz, zweimal das gleiche Lied spielen.

Ist aber nicht so schlimm. Gibt es doch seit ein paar Tagen die CD »Great Marches played by the Rundfunkblasorchester Leipzig«. Dort ist auch unser Lied zu finden. Kostet nur 22,20 Euro. Ich für meine Person habe gleich 20 davon gekauft (es gibt immer noch ein paar, keine Angst). Das schönste dabei: Weihnachten bzw. Chanukkah darf nun kommen. Meine Freunde und meine Familie werden Augen machen!!

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Beni Frenkel

Jahrgang 1977 und, wie man aus den Texten wahrscheinlich sieht: ein Schweizer.

Ich bin Lehrer an einer Primarschule. Dort unterrichte ich unter anderem den Unterschied zwischen »war« und »wahr«. Eine höchste philosophische Frage. Wahr ist, dass ich vom Schreiben [..]

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