Illustration von Martin Rathscheck
Ich gebe alles zu: Ich bin nicht die hellste, wenn es um das Öffnen von Verpackungen geht. Immer wieder falle ich auf Anpreisungen herein wie: »Neu! Jetzt noch leichter zu öffnen!« oder »Frischepack: Hier öffnen und wieder verschließen.«
Ich ergreife also die Käseverpackung, um sie in Sekundenschnelle zu öffnen und rutsche erst mal mit meinem butterbeschmierten Daumen ab. Nach mehreren fehl geschlagenen Versuchen hole ich mir dann doch die Küchenschere aus der Schublade. Über die Wiederverschließbarkeit der Verpackung nach der erfolgten Operation will ich mich an dieser Stelle lieber nicht äußern.
Überhaupt: ohne Werkzeug komme ich nicht aus. Wer kennt sie nicht, die berühmten Corned-Beef-Dosen, die man mit einem mitgelieferten schlüsselartigen Werkzeug öffnet, indem man einen schmalen Blechstreifen um die Dose herum aufrollt. Die Katze geht erst mal in aller Ruhe eine Maus fangen, während ich mich mit der Aufziehlasche der Katzenfutterdose abmühe. In der Regel endet das damit, dass ich mir beim Abschneiden eines passenden Pflasterstreifens für die Schnitte, die ich mir zugefügt habe, auch noch die Schere in den Handballen bohre.
Außerdem öffne ich die Pflasterverpackung garantiert am falschen Ende, so dass sie dann durchgehend geöffnet ist. Sprich: Wenn ich die Lasche auf der einen Seite herausziehe, fällt das Pflaster am anderen Ende heraus.
Eine besondere Herausforderung stellen für mich Tetrapacks aller Art dar, aber das wissen Sie ja schon.
Marmeladen- und Gurkengläser sind geradezu unüberwindliche Hindernisse, es sei denn, man hat eine dieser superpraktischen Öffnungshilfen, die in großer Vielfalt im Handel erhältlich sind, und an deren Handhabung ich garantiert scheitere.
Der bloße Anblick von Aufreißfäden aller Art löst bei mir Schweißausbrüche und Händezittern aus, ja selbst Kekspackungen sind für mich ein Alptraum. Wie oft sind bei uns schon explosionsartig die Gummibärchen durch die Gegend geflogen, nur weil die Tüte zunächst gar nicht, dann aber urplötzlich doch aufging. Sie wissen schon: Ecke an der gestrichelten Linie abreißen ...
Vor lauter Elend entschließe ich mich erst einmal meine neue CD einzulegen, und mich auf dem Sofa zu entspannen. Schade nur, dass ich die Zellophanhülle nicht aufbekomme. Ein Aufreißbändchen soll mir helfen. Optimistisch versuche ich es mit dem Fingernagel zu befreien. Schließlich hole ich mir eine Schere und füge der nagelneuen CD-Schachtel erst einmal einen massiven Kratzer zu.
Und dann gibt es da noch diese raffinierten Toastverpackungen »neu: jetzt mit Wiederverschluss«. Nach Entnahme der ersten zwei Scheiben klebe ich den praktischen Klebeverschluss auf die oberste verbliebene Toastscheibe. Spätestens auf der Hälfte der Packung ist die Klebefläche so voll gekrümelt, dass nichts mehr klebt.
Mehr als einmal habe ich schon unter der Dusche gestanden und versucht eins dieser Shampoo-Probetütchen zu öffnen, die man gerne in Frauenzeitschriften findet oder von der netten Apothekerin geschenkt bekommt. Abgesehen davon, dass ich meist ohne Sehhilfe da stehe, was bei –6 Dioptrien schon hinderlich ist, pflege ich auch keine Schere in der Seifenablage vorzuhalten. Nun ja, notfalls kann man sich auch mit Seife oder Duschgel die Haare waschen.
Ich bin ganz sicher, dass die Idee mit dem Dosenpfand von einem/r Politiker/in stammte (war es nicht die damalige Bundesumweltministerin Angela Merkel?), der/die nicht in der Lage war, Getränkedosen zu öffnen, ohne sich dabei schwer zu verletzen. Wenigstens über Coladosen brauche ich mich jetzt nicht mehr zu ärgern.
In der Waschküche stehe ich mit meinem Waschpulver-Nachfüllpack und überlege, ob ich mir gleich eine Schere holen gehe oder ob ich es erst einmal mit meinem Autoschlüssel versuche, der sich sowieso in meiner Hosentasche befindet.
Eine ziemliche Sauerei, kann ich Ihnen sagen. Wo ich schon mal meinen Hausarbeitstag habe, will ich erst mal das Klo putzen gehen. Jedoch habe ich die Rechnung ohne die Kindersicherung der WC-Reiniger-Flasche gemacht. Ich drücke und quetsche den Deckel, aber nichts passiert. Schließlich hole ich meinen siebenjährigen Sohn zu Hilfe, der mir die Flasche ohne mit der Wimper zu zucken in Sekundenschnelle aufdreht.
Na, also.
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