Kennen Sie das? Da wollten Sie eben dem Kind nur noch schnell vor dem Losgehen ein Glas Saft eingießen und dann ...
Was hat denn der Mann wieder für eine Sorte gekauft? Also so etwas habe ich ja in meinem ganzen Leben noch nie gesehen: Man muss zuerst das Plastikzipfelchen hoch klappen, dann nach unten drücken und nach innen ziehen. Und schon kommt der Apfelsaft in hohem Bogen auf den Fußboden geschwappt. Das hat mir gerade noch gefehlt. Außerdem kaufe ich Saft eigentlich immer in Pfandflaschen, ehrlich.
Aber die Milch? Nicht einmal meine Lieblings-Bio-Öko-Vollkorn-Milch gibt es in Glas-Pfandflaschen, weil Milch ja so lichtempfindlich ist. Also greife ich zum Behälter mit dem praktischen Giebelverschluss. »Hier offen« steht verheißungsvoll auf dem Giebel. Leider habe ich schon die andere Seite auseinander gezogen, weil mich der Hinweispfeil für das Haltbarkeitsdatum irritiert hat. Na gut, dann reiße ich die andere Seite auch noch auseinander. Ein fataler Fehler, wie sich alsbald herausstellt: die nunmehr völlig schlabberige Milchtüte entgleitet meiner Hand. Zum Glück ist sie trotz des oben erwähnten Hinweises noch nicht offen. Ich erwäge, mit der Schere einzuschreiten, beschließe aber, mich nicht sofort geschlagen zu geben. Also folge ich der Anweisung auf der nunmehr auseinander gezogenen »richtigen« Seite: »Ecken nach hinten drücken und Spitze nach vorne ziehen«. Na bitte. Ist doch ganz einfach.
Während ich etwa einen halben Liter Milch vom Fußboden aufwische, denke ich ernsthaft über einen Markenwechsel nach. Da gab es doch diese tolle Verpackung mit diesem kleinen Plastikdeckel und der Alulasche. Das sah eigentlich ganz einfach aus. Also: Zuerst ziehe ich den Plastikdeckel einfach nach oben. Denkste. Er ist mit einer kleinen, für meine alterssichtigen Augen fast nicht sichtbaren Lasche mit dem Unterteil verbunden, muss also erst mal los gerissen werden. Nachdem dies unfallfrei vonstatten gegangen ist, muss ich nur noch diese kleine Alulasche abziehen. Darunter verbergen sich zwei unterschiedlich große Öffnungen, die mit einer dünnen Haut verschlossen sind, die die Flüssigkeit am Heraustreten und die Luft am Hereintreten hindern. Soll das so sein ? Ich schneide mit einem spitzen Messer das Häutchen von der Ausgießöffnung ab und gieße schwungvoll los. Auf Grund fehlender Luftzufuhr kommt erst mal gar nichts raus, dann entschließt sich das Getränk irgendwie los zu pladdern. Teile der Flüssigkeit landen auch auf geheimnisvolle Weise im Glas. Na gut. Ich Döspaddel hätte ja auch daran denken können, das hintere Loch ebenfalls zu öffnen.
Da erinnere ich mich doch zu und zu gerne an diese Tetrapacks auf rechteckigem Grundriss, wo man vorne einfach diese perforierte Spitze abreißt. Zugegeben, das kleckert dann auch erst mal, weil keine Luft nachströmt, und wenn man hinten die Spitze auch noch abschneidet, wird die ganze Angelegenheit ziemlich schlabberig und dann ... siehe oben!
Und dann gibt es noch die echten porzellanenen Milchkännchen nachempfundenen Plastikbehälter, die - wie zumindest die Werbung behauptet - ganz leicht zu öffnen sind, und anschließend die Flüssigkeit (in der Regel Kaffeesahne) exakt in die gewünschte Richtung, sprich in die Tasse gießen. Pustekuchen. Bereits beim Abreißen der Lasche spritzt der Inhalt in alle Richtungen. Vermutlich muss ich mal einen Kurs bei der Volkshochschule belegen.
Halt. Was ist denn das? Das sieht ja beinahe aus wie einer von diesen guten alten, oben beschriebenen »Giebelpacks«. Aber: Auf der einen Giebelseite ist tatsächlich ein kleiner Schraubdeckel angebracht. Ich schraube ihn ab und siehe da: es gelingt mir mühelos, den Orangensaft vollständig in das Glas hinein zu gießen.
Wer sagt's denn. Geht doch.
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