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Wahnsinn frisst Alltag.
Alltag frisst Wahnsinn.

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01.05.09

Barbara Arnold

Deutschland sucht den Superkanzler

Es geht gar nicht mehr anders. Für jeden Job muss gecastet werden. Ob es nun Supermodels oder Super-Hunde sind; Super- oder Musical-Stars: so weit das Fernsehauge reicht, wird gecastet.

Zeitweise kann man sich beim Zappen gar nicht entscheiden, da auf mehreren Kanälen gleichzeitig gecastet und auf einem weiteren über Sinn und Unsinn des Castens diskutiert wird.

Also ich finde, man kann gar nicht genug casten. Das sind für mich wichtige Momente der Basisdemokratie.

Superstars müssen sich heutzutage nicht mehr mühsam hocharbeiten wie seinerzeit Madonna oder die Beatles. Nein, man nimmt an ein paar lustigen Shows teil, versucht einen möglichst netten Eindruck auf das gnädige Publikum zu hinterlassen, und Schwupp­diwupp ist man ein staatlich bestellter Superstar von Dieters Gnaden!

In der Regel zwar nur für kurze Zeit, bis der Sieger der nächsten Staffel feststeht, aber das weiß man ja auch irgendwie schon vorher. Und außerdem: Michael Jackson ist auch nicht mehr das, was er mal war.

Statt langweilige Bundes- und Landtagswahlen abzuhalten, deren Ergebnis sowieso wetterabhängig ist, wollen wir unsere Ministerpräsidenten und Bundeskanzler jetzt lieber casten. Irgend ein ausrangierter Starpolitiker (Namen will ich hier lieber nicht nennen) stellt sich als Moderator zu Verfügung, die Jury wird mit Heidi Klum, Dieter Bohlen und Stefan Raab besetzt, und schon kann es los gehen. Bewertet werden Disziplinen wie »Lügen ohne rot zu werden«, »Ausdauerndes Langstreckenfliegen« und »Wer denkt sich die tollsten Wahlversprechen aus?«

In einem Nebenwettbewerb werden die kühnsten Frisuren und die schrillsten Krawatten benotet. Wenn wir auf diese Weise unser Staatsoberhaupt gekürt haben, kann es mit Lehrern für unsere Kinder, Ehegatten und Schwieger­müttern weitergehen. Linda de Mols »Traumhochzeit« ist ein Witz gegen die neue Casting-Show »Deutschland sucht das Traumhochzeitspaar«. Da werden Ehepaare nach Zuschauer-Voting zusammengecastet, dass es eine Art hat. Am Schluss suchen wir noch ein paar passende Kinder aus und fertig ist »Germany's Next Dream Family«. Ob wir wollen oder nicht. Und wenn die Töchter groß sind, können sie sich als Topmodel bewerben. Und Mami wird Bundeskanzlerin.

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Barbara Arnold

geboren 1962 im lustigen Rheinland, blieb ihr nach dem Abitur im finsteren Westfalen und Architekturstudium in Braunschweig nichts anderes übrig, als den Wahnsinn des Alltags durch die rosarote Brille der spitzen Feder zu sehen.

Schon ihr Deutschlehrer schlug ihr 1973 vor, Kabarettistin [..]

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