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»Die Erotik des Käsebrots« vorgetragen von Tanja Esche
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31.01.06

Magdi Aboul-Kheir

Die Erotik des Käsebrots

»Das ist noch besser als guter Sex.« Meine Freundin bestrich die frisch duftende Schwarzbrotscheibe geradezu akribisch gleichmäßig dick mit Sauerrahmbutter, hobelte sich dann ein paar Scheiben Käse vom Maigouda-Stück, platzierte diese wohlüberlegt auf der Brotscheibe und biss dann genussvoll hinein. »Besser als guter Sex«, wiederholte sie, ließ ein gutturales Wohlfühlbrummen ertönen und kaute hingebungsvoll weiter.

Frauen, die sinnlichen Genüssen zugeneigt sind, fand ich seit je her vielversprechend. Aromen, Düfte, Berührungen, das alles ist verwandt mit Erotik, Lustfähigkeit, dachte ich mir, das ist kein Käse. Doch wenn eine, die mit mir zusammen war, ein Goudabrot über Sex stellte (nicht über irgendeinen Sex – über Sex mit mir! Und das in einer libidinösen Hochphase!), so befremdete mich das nicht eben wenig. Ich stellte mir vor, wie sie mit ihrer besten Freundin Manöverkritik hielt. »Und wie ist Dein neuer Typ?« – »Klasse!« – »Und im Bett?« – »Super!« – »So gut wie ein Käsebrot?« – »Wo denkst Du hin ...«

Ich nahm die erotische Kränkung dennoch hin. Schließlich waren mir ja keine anderen Männer, sondern nur Milch- und Getreideerzeugnisse vorgezogen worden, und wie soll man mit denen konkurrieren, ohne sich der Lächerlichkeit preiszugeben?

Jahre vergingen, aus der Freundin wurde die Ehefrau, die gemeinsamen genussvollen Frühstücke wichen der Schnellen-Stulle-Routine, und der Sex, nun. Vor kurzem saßen wir abends auf dem Sofa, die Kinder schliefen endlich. Ich goss mir ein Glas Rotwein ein. Das Getränk kam mir kulinarisch ein wenig einsam vor, und so holte ich mir etwas Brie und einen Kanten Brot aus der Küche. »Besser als Sex«, sagte ich, »weißt Du noch? Früher? Käse? Brot?« Meine Frau zuckte mit den Schultern und atmete so aus, dass es ein leicht verächtliches Geräusch ergab. »Gibt's ja nicht mehr, weder das eine noch das andere.«

Ein übler Vorwurf. Das forderte mich heraus, und so erarbeitete ich einen raffinierten Verführungsplan. Der Käse und ich – sollte die alte Rechnung endlich beglichen werden? Oder sollten wir zu Verbündeten werden? Würde ich meiner Frau zeigen, dass der Saft von einst noch immer in meinen Gliedern pulsierte und auf Abruf vorhanden war?

Am übernächsten Morgen war alles vorbereitet. Akribisch. Ich stand eine Stunde früher auf als sonst und schlich mich aus dem Schlafzimmer. Ich trieb etwas Gymnastik und Capoeira, um den Körper zu straffen, dann trank ich einen Liter hochwertigen Protein- und Vitaminmix, um zu noch mehr Manneskräften zu kommen. Ich duschte ausführlich, griff dabei auf Peelingpaste und das sündhaft teure Kenzo Waschgel mit seiner raffinierten Ingwer-Note zurück, danach rieb ich meinen Körper ausgiebig mit Luxuslotion ein. Ich rasierte mich gewissenhaft, gurgelte mehrfach, machte noch einige Dehn- und Konzentrationsübungen. Ich stieg in meine heißeste Bruno-Banani-Wäsche und betrat schließlich das Schlafzimmer. Ich schlug die Decke meiner Frau ein wenig zurück und flüsterte ihr ins Ohr: »Hier kommt was unglaublich Geiles.« Sie setzte sich auf. »Wo?«, fragte sie schlaftrunken, »was? Wer?«. Ich hielt ihr den Teller mit dem akribisch belegten Gouda-Butter-Brot hin. Sie lächelte. Älter werden, heißt zu wissen, wo die eigenen Grenzen sind.

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Magdi Aboul-Kheir

Magdi Aboul-Kheir hat am gleichen Tag Geburtstag wie Martin Walser, Steve McQueen, Fatty Arbuckle und die Kremers-Zwillinge. Zum Glück ist er etwas jünger (Jahrgang 1967), beziehungsweise lebt er noch.

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