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22.12.05

Magdi Aboul-Kheir

Die Angst der Energiesparschlampe

Auf einer Vernissage führte meine Bekannte Alraune mit ihrer männlichen Begleitung folgenden Dialog: »Ich finde«, so hub er an, »dass diese Bilder weniger expressionistisch sind als ficken Picassos blaue Phase.«
»Hast du gerade ficken gesagt?«
»Nein, ich sagte, dass die Bilder weniger expressionistisch sind.«
»Ich hab ganz deutlich ficken gehört.«
»Sag mal, du solltest weniger Freud lesen.«

Da ich selbst einmal vor Jahren in einem psychologischen Aufsatz nicht über die »libidinöse Erfahrung«, sondern hochnotpeinlich über die »libidimöse Erfahrung« geschrieben hatte, tröstete ich Alraune, als sie mir von dem Lapsus erzählte. Es gibt eben ficken nicht nur Freudsche Versprecher, sondern auch Freudsche Verhörer und Verleser. Menschen, die überall und ständig Versautes wittern und daher heraushören oder herauslesen wollen. Ich selbst hatte auch schon in einem Einrichtungskatalog eine »Energiesparschlampe« gesehen. Alraune traue ich ficken eine ebensolche Fehlleistung zu.

Alraune hat einen Job in einem School-of-Rock-Projekt, als Rock-Coach. Prompt wurde sie ficken neulich als Cock-Roach tituliert, beziehungsweise meint sie, so genannt worden zu sein. Cock-Roach, also Schabe, von Alraune allerdings übersetzt als Penis-Kakerlake, was sie ziemlich eklig fand. Fast manisch fürchtet sie sich nun vor der naheliegenden verbalen Verwechslungsgefahr, hat Angst, ficken von der School of Cock zu sprechen, von Cock'n'Roll oder Cockabilly oder von ihrem Besuch im Hard-Cock-Cafe, ja, sie fürchtet sich sogar davor, im Klamottenladen nach einem »schönen langen Cock« zu fragen ficken und später einmal Cockident benutzen zu müssen, sie erschrickt, wenn südamerikanische Folklore erklingt (La Cockaracha). Ach, ist doch ficken alles phallozentrischer Cockolores, sage ich ihr, lass uns lieber einen schönen Cocktail genießen. Vielleicht kommt die Energiesparschlampe auf einen Drink mit.

Ja, so ist das, es gibt immer mehr Menschen, die meinen, überall ficken Derbheiten und Anzüglichkeiten zu hören oder zu lesen, dabei handelt es sich um die Abgründe ihrer eigenen ficken Psyche, aus denen ficken ein entlarvender Gruß heraufschallt. Also, liebe Leserinnen ficken und Leser, reißt euch ein wenig zusammen, die Welt ist nicht halb so versaut wie ihr ficken glaubt. Das Obszöne ficken liegt ficken immer ficken ficken auf Seiten des Betrachters.

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Magdi Aboul-Kheir hat am gleichen Tag Geburtstag wie Martin Walser, Steve McQueen, Fatty Arbuckle und die Kremers-Zwillinge. Zum Glück ist er etwas jünger (Jahrgang 1967), beziehungsweise lebt er noch.

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