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Wahnsinn frisst Alltag.
Alltag frisst Wahnsinn.

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04.10.01

Magdi Aboul-Kheir

Ein Gummi und kein Anstand

Konservative Zeiten. Der Wind weht von gestern. Die Zeichen, die davon künden, mehren sich. Die folgende Episode hat damit nichts zu tun. Aber trotzdem.

Kurzer Prolog. Wer in den USA oder Skandinavien alkoholische Getränke ersteht, erhält die Flaschen samt hochgeistigem Inhalt in völlig unauffälligen, brauen Papiertüten. Diese perfekte Tarnung ist in Wirklichkeit eine perfide Stigmatisierung. Denn in diesen Ländern wird außer Bier, Wein und Schnaps überhaupt nichts in dezente, unbedruckte Knittertaschen gehüllt. Wer einen Papiertütenträger sieht, weiß: Dieser Mensch hat Alkoholika gekauft.

Szenenwechsel. Wir sind in einer schwäbischen Kleinstadt. Ich schlendere an einem Schreibwarenladen vorbei, erblicke im Schaufenster das neue Cinema-Heft, trete ein. Das Cinema-Titelthema ist 'American Pie 2', eine dieser US-Klamotten voller knapper Klamotten und Körpersaft-Humor für die Pickel-Generation. Das Cover prägen amerikanische Jungschauspielerinnen in Stars-and-Stripes-Bikinis, bemüht lasziv sahneleckend, eher dämlich denn geil. Der Slogan »Alles, was sie niemals über Sex wissen wollten« wirkt überraschend zutreffend. Egal, es stehen ja wohl auch noch andere Sachen in dem Hochglanzheft, hoffe ich zumindest und zahle die sechs Märker. Die Verkäuferin, Anfang 60 vielleicht, dicke Brille, Hauskleid, rollt die Zeitschrift ein, greift sich ein Gummiband und streift es über mein Cinema. Wahrscheinlich möchte die Dame das Heft vor der Nässe schützen. Allerdings regnet es gar nicht.

Ich gehe ins Freie, schlendere mit meinem Cinema die Straße entlang. An der Ampel starren mich fremde Menschen an. Angewidert, voller Abscheu, ja aggressiv. Was ist passiert?

Folgendes ist passiert: Diese Menschen sehen einen leicht untersetzten, vierschrötig aussehenden Mann, offenbar südländischer Provenienz, mit einem Pornoheftchen unterm Arm. Warum sollte er das Heft sonst eingerollt herumtragen, die Sau! Der Papiertüten-Effekt.

Es ist eine blöde Kinozeitung, will ich ihnen zurufen, schmeiße das Gummi weg und recke die bieder-pubertären amerikanischen Teenies in die Höhe. Seht her, alles harmlos. Aber zu spät. Die Passanten haben sich abgewendet. Mit so einem wollen sie hier nichts zu tun haben.

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Magdi Aboul-Kheir

Magdi Aboul-Kheir hat am gleichen Tag Geburtstag wie Martin Walser, Steve McQueen, Fatty Arbuckle und die Kremers-Zwillinge. Zum Glück ist er etwas jünger (Jahrgang 1967), beziehungsweise lebt er noch.

Er besteht drauf, einen schönen deutschen Namen zu tragen, und besitzt die deutsche [..]

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