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01.04.08

Magdi Aboul-Kheir

Horror und Hochgeistiges aus dem Getränke-Mekka

»Spanien ist das neue Mekka des Horrors.« Erschrocken lese ich diesen Satz in einem Cineasten-Magazin; es geht um den Film »Das Waisenhaus«. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: das neue Mekka des Horrors. Und dann noch in Spanien – ist das der alte maurische Einfluss? Und überhaupt: Wo lag denn das alte Mekka des Horrors? Wurde da mit dem Krummsäbel gemeuchelt? Hat das etwas mit Taliban oder Osama zu tun? Vor allem aber: Ist das nicht eine schlimme Provokation für Moslems? Eine Provokation wie die dänischen Mohammed-Karikaturen oder das aktuelle Schmäh-Video »Fitna«?

Mekka des Horrors. Man könnte aus dieser Begriffschöpfung natürlich auch einen positiven Prozess ableiten. Nämlich: Der Begriff »Mekka« hätte sich demnach im deutschen Sprachgebrauch als Synonym für einen bedeutsamen Ort, für den Mittel- und Anziehungspunkt einer Sache etabliert. Somit wäre »Mekka« hochgerade ins Deutsche assimiliert worden. Doch Vorsicht, »Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit«, das hat der türkische Premier Erdogan festgestellt. Und Verbrechen müssen bestraft werden, da könnte sich Erdogan ja mit dem Erzbischof von Canterbury zusammentun, der kann sich schließlich Einführung von Teilen der Scharia in England vorstellen. Wird Canterbury zum neuen Mekka der Jurisprudenz?

Soweit ist es bei uns nicht. Bei uns spricht sich lediglich die Integrationsbeauftragte der SPD, Ute Vogt, für Türkisch als zweite Fremdsprache an Schulen aus. Eine amüsanter Vorschlag gerade von der Erzschwäbin Ute Vogt, deren erste Fremdsprache Deutsch ist. Wird Stuttgart zum neuen Mekka der Assimilation?

Sollte man von diesen religiösen Sprachbildern nicht ganz die Finger lassen? Denn wird unsere Welt nicht doch immer weltlicher? Mag sein, andererseits erscheinen immer mehr profane Gebiete von geistigen Würdenträger bevölkert. Da ist Joachim Kaiser, der leibhaftige Musikkritiker-Papst. Da sind Hademar Bankhofer, der Gesundheitspapst, und Wildor Hollmann, der Sportmedizin-Papst, der auch mal Flankengötter behandelt. Wer es etwas weniger katholisch mag, kann sich an Ulrich Strunz halten, seines Zeichens Fitness-Guru.

Höchste Spiritualität ist offenbar geboten, wenn Marcel Reich-Ranicki in Bad Reichenhall mit Oswald Kolle spricht: Dann redet der Bücher-Papst im Salz-Mekka mit dem Sex-Guru. Vielleicht treffen sie dort Rainer Calmund. Deutschlands Fußball-Buddha.

Pferdenarren pilgern derweil gen Warendorf oder Marbach. Das sind die Reitsport-Mekkas. Es gibt auch in Einkaufszentren Mode-Mekkas und Fußpflege-Mekkas. Beim Hühnerauge des Imams, schon wieder Provokationen, da braucht es nicht einmal das Mekka des Horrors! Und noch schlimmer: Eine Getränkekette nennt sich »Getränke-Mekka« – und bietet doch Alkohol feil.

Überall Achtlosigkeiten, Missverständnisse, Dummheit. So wird Deutschland schnell zum Mekka der Provokation. Kleine Fehler, große Auswirkungen.

Meine Vierjährige kommt aus dem Kindergarten.
»Papa, Papa, wir haben heute gelernt, wo die Moslems zum Beten hingehen.«
»Und, wo beten sie denn?«
»Die Moslems beten in der Muschi.«

Da muss man sich doch wirklich nicht wundern.

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Magdi Aboul-Kheir

Magdi Aboul-Kheir hat am gleichen Tag Geburtstag wie Martin Walser, Steve McQueen, Fatty Arbuckle und die Kremers-Zwillinge. Zum Glück ist er etwas jünger (Jahrgang 1967), beziehungsweise lebt er noch.

Er besteht drauf, einen schönen deutschen Namen zu tragen, und besitzt die deutsche [..]

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