29.1.
Kolumne von Frank Müller
[..] Nun gibt es natürlich Zeitgenossen, die einen etwas eigenwilligen Umgang mit ihren Büchern pflegen. Eine mir bekannte Dame pflegt ihre Urlaubslektüre – es handelt sich vorwiegend um Krimis im Taschenbuchformat – entlang des Buchrückens zu zerschneiden, der leichten Handhabbarkeit wegen. So entstehen mehrbändige Werke, deren schlanke Einzelbände eine angenehmere Strandbegleitung sind als ein dicker Wälzer.
27.1.
Kolumne von Elke Schröder
Lieber Vater, das Herz will mir aus der Brust springen, während ich diesen Brief schreibe und meine Hände zittern wie die Bögen deiner Brauen, wenn du in der Nacht des großen Zorns die Tanpura spielst. Doch ich will von vorne beginnen und mich für den Geruch entschuldigen, der von diesem Blatt aufsteigt. Mein erster Arbeitstag in der Küche einer Fischfabrik war zugleich mein letzter und ich verbrachte ihn zwischen toten Heringen und einer Frau, die schlimmer roch als die Paste, von der du uns vor dem Tauchen auf die Brust zu streichen pflegst, um die Haie fernzuhalten.
23.1.
Kolumne von Guido Grigat
Ikea kann also kommen. Nach Altona. Denn die Bürger des einst dänischen (und vor knapp vierhundert Jahren auch mal schwedischen) Hamburger Bezirks haben in einem Bürgerentscheid nun ganz entschieden entschieden, »dass in Altona ein Ikea-Möbelhaus gebaut wird und der Stadtteil dadurch nachhaltig belebt und attraktiver wird«. So einfach ist das.
22.1.
Kolumne von Michael Meyn
In einer Szene aus »Jäger des verlorenen Schatzes« kämpft sich mein Lieblingsheld Indiana Jones durch eine Höhle mit vielen tödlichen Fallen und steht am Schluss unversehrt vor dem Objekt seiner Begierde: Eine kleine goldene Skulptur auf einem schlicht und harmlos wirkenden Podest. Indy – fast immer ungeschickt, doch selten dumm – weiß genau, dass er nicht einfach nach dem Schatz greifen darf. Er hat ein Säckchen Sand parat, und dieses Säckchen soll dazu dienen, den Platz der Skulptur einzunehmen, um keine weiteren Fallen auszulösen. So ähnlich fühlte ich mich, als ich nachts ins dunkle Schlafzimmer schlich, vorsichtig den Koffer der Krafziks öffnete und mich anschickte, blitzschnell und geräuschlos den Kulturbeutel mit dem kleinen Inder auszutauschen. Es funktionierte. Leise verharrte ich für einen Moment in geduckter Körperhaltung und erwartete, dass das Haus erbeben und Kalk von der Decke rieseln würde. »Micha?« Frau Tülle war aufgewacht. »Bist du das?«
22.1.
Kolumne von Joachim Schott
[..] »Das war nicht sein Ding. Haiti ist nicht auf seinem Mist gewachsen. Und trotzdem hackt wieder alle Welt auf Ihm rum. Das bekümmert Ihn.«
19.1.
Kolumne von Axel Scherm
Weil sich die Liebste immer dann, wenn sie länger mit ihrer besten Freundin telefoniert, den Hals verrenkt, indem sie den Telefonhörer zwischen Ohr und Schulter klemmt und dabei nebenbei noch Küchen- und Haushaltstechnisches erledigt, habe ich ihr zu Weihnachten ein Headset gekauft, mit dem sie ohne Schiefhals telefonieren und mit zwei freien Händen ihre Nebenbeiverrichtungen erledigen kann.
11.1.
Kolumne von Gilbert Dietrich
[..] Die Politik wirft den Bürgern unterdessen vor, jeden »Appetit auf Selbsthilfe« in einer solchen Krise verloren zu haben. Anstatt eine Schippe Sand in die Hand zu nehmen, erwarteten sie, dass der Premierminister persönlich zu ihnen nach Hause komme und den Bürgersteig vom Eise befreie. Bunch of Pussies! Ich soll nicht immer fragen, was die Müllabfuhr für mich tun kann. Ja, ich kann meinen Müll auch aufessen, anstatt mich immer nur zu beklagen.
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